Achtung, langer Text mit viel Gemecker.
Ich finde ja diese Fat Acceptance Sache (und nicht nur die) wirklich sehr gut und wichtig, aber manchmal geht es mir auch auf den Keks. Nicht wegen der Sache an sich, sondern wegen so mancher Damen die dort ganz vorne mit dabei sind oder dies zumindest gerne wären. Ich will hier keine schmutzige Wäsche waschen (wäre auch ziemlich kontraproduktiv), aber mir stößt in den letzten Tagen und Wochen einiges ziemlich auf. Vor allem die Aggressivität mit der manche zu Werke gehen. (In Deutschland kenne ich das so übrigens bisher nicht, hier ist man noch an dem Punkt wo Worte wie "Rubensengel" oder "Pummelfee" (kotz) verwendet werden und man sich selbst lieber so niedlich darstellt und noch ganz zahm und harmlos ist.)
Natürlich kann ich verstehen, dass man schlichtweg genervt und angefressen ist, wenn man von Medien und Modewelt nicht ernst genommen wird, wenn man reduziert wird auf eben dieses eine Attribut, seine Körperfülle, aber reduziert man sich nicht selbst darauf, indem man auf jede kleine Aussage (egal wie harmlos sie für andere erscheinen mag und wie wenig verletzend sie gemeint war) anspringt und sich fürchterlich aufregt?
Mir ist da gestern so ein Fall mehr oder weniger zufällig bei Twitter begegnet. Ein User schrieb einer anderen Userin, dass sie sehr auf das Thema Gewicht fixiert wäre, woraufhin eine andere Userin um die Ecke gepoltert kam und direkt mit all ihrer Wut und Aggression (wie verständlich die generell auch sein mag) auf ihn los ging und den Herrn nach Strich und Faden zusammen gefaltet hat.
Sie sei ja verdammt stolz auf ihren Körper und überhaupt wäre er nur ein Idiot und wegen Typen wie ihm würden dicke Menschen ja überhaupt erst nur aufs Dicksein reduziert und überhaupt. Er blieb die ganze Zeit ruhig, während sie sich an ihm abgearbeitet und ihm jede abgedroschene Phrase um die Ohren gehauen hat und meinte dann nur wieso sie denn so aggressiv sei, wenn sie doch damit so gut klar käme. Den Sermon der darauf folgte, von wegen Aggression sei ja ein natürliches Gefühl und man müsse sich dafür nicht schämen, habe ich dann nicht mehr wirklich verfolgt. Mir wurde es schlicht zu albern.
Mich stört das sehr und ich würde es als Einzelfall ansehen (gut in dem Ausmaß kenne ich das sonst nicht, das muss ich zugeben), aber ein ähnlicher Tenor ist mir schon öfter untergekommen und das kann doch generell nicht der Weg sein.
Anderer Fall, anderes Thema, aber dennoch eine Dame in diesem Dunstkreis (in Ermangelung eines anderen treffenden Wortes): Eine Bloggerin schrieb etwas, zugegeben, sehr naives und idealisiertes über amerikanische Ureinwohner und anstatt sie mal freundlich darauf hinzuweisen und vielleicht ein paar Links zu verschicken wird sich öffentlich und in epischer Breite darüber aufgeregt wie angeekelt man doch ist und wie dämlich die Bloggerin doch ist. Inklusive eigenem tumblr-Beitrag mit Zitaten, damit die anderen auch noch dazu schreiben könne, wie schlimm sie das finden. (Geteilter Ärger ist doppelte Freude, oder so.)
Um es mal ganz deutlich zu sagen: Ich finde es gut, wenn man entschlossen ist und die Klappe aufmacht, wenn was nicht ok ist, ABER was bringt es, wenn man sich selbst total unglaubwürdig macht und allen Leuten vor den Kopf stößt, indem man auf jede winzige Sache anspringt und gleich ein Riesen-Theater veranstaltet? Wer soll sich denn bitte ernsthaft mit dem auseinander setzen WAS man sagt, wenn man es ihm ins Gesicht haut und quasi verbal aus seinen Klamotten platzt und grün anläuft?
Dauer-Gekeife will einfach niemand hören, weil es nervt und anstrengend ist und man zu "solchen Leuten" (ich vereinfache mal) ja doch mit keinem Argument durchdringt. Immer nur sagen "Das ist scheiße und du bist auch scheiße und ihr seid alle Idioten und ich find mich ja geil, also leck mich!" (ich paraphrasiere hier ;)) bringt einen nicht weiter.
Natürlich läuft in dieser Welt verdammt (!) viel falsch. Natürlich ist es wichtig und richtig seine Meinung dazu kundzutun und für etwas einzustehen, aber doch nicht so! Und auch nicht indem man andere vorführt, weil man selbst so schrecklich politisch korrekt ist. (Das ist etwas das mir schnell sauer aufstößt, ich finde Menschen tendenziell eher suspekt, wenn sie in jeder Suppe ein Haar finden und jedes Wort auf die Goldwaage legen. Tut mir ja Leid. ;))
Und zu guter Letzt noch ein Punkt. Denn mal ernsthaft, Idioten bleiben Idioten, man kann nun einmal niemanden dazu zwingen seinen eigenen Überzeugungen zu folgen. Wenn jemand andere Menschen einfach auf ein Klischee reduziert, dann wird es schwer sein ihn davon abzubringen und schon gar nicht gelingen indem man das Klischee durch ein anderes ersetzt. So wird der lustige Dicke, der natürlich nicht gesund sein kann, schnell zu dem, der nur meckert und bei jeder Kleinigkeit gleich einschnappt. Ist das denn besser?
Nennt mich desillusioniert, aber ich glaube außerdem nicht, dass man viel Erfolg haben kann die Welt zu verändern. Also generell und schon gar nicht indem man sich aufführt wie ein Berserker. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass man aufhören soll sich zu engagieren, ich will auch ernst genommen werden. Ich will kein Klischee sein, ich will nicht auf einen bestimmten Aspekt reduziert werden, aber muss man dann nicht damit aufhören sich selbst auch auf etwas zu reduzieren? Du kannst die Welt einfach nicht zwingen sich zu ändern, du kannst nur dich ändern und versuchen deinen kleinen Beitrag zu leisten. (Ich bin ziemlich sicher, dass ich das igrendwo abgeschrieben habe. xD) Viele Menschen sind Idioten, das kann man nicht ändern aber man muss sich nicht aufführen wie ihr ungekrönter König.
Disclaimer: Das war jetzt nur mein persönliches Beispiel und lässt sich so auch problemlos auf andere Themenbereiche übertragen.
(Ich weiß gar nicht wieso ich auf einmal an Daffyd denken muss... ;))
Ach, du sprichst mir aus der Seele... Ich hab ja stark das Gefühl, dass Frauen (denn die sind es ja doch meistens im Speziellen) häufig äußerst unentspannt mit ihrem Körper sind, ganz unabhängig von Gewicht und Kleidergröße.
AntwortenLöschenAber auch mir ist schon aufgefallen, dass sich viele "Dicke" auf einer Art Motz-Mission befinden und statt Spaß an sich, Mode und ihrem Körper zu haben, was ja zu allen Gelegenheiten lautstark eingefordert wird, nur am rumpöbeln sind und das häufig in einer sehr unerwachsenen, für mich übertriebenen Art und Weise.
Genau so etwas hält mich davon ab, da mitzumischen, weil ich genau auf solchen "Fanatismus"/Zickenterror/Beißerei keinen Bock hab. Das lässt sich auf politische Einstellungen, Feminismus, ect.pp. übertragen.
Zeigt man nicht mit seiner nicht gerade respektvollen Haltung anderen gegenüber, wie wenig man sich selbst respektiert und wertschätzt?
Natürlich kann nicht immer jeder cool bleiben und Worte sind oft auch schnell gesagt/geschrieben, aber sich wegen jedem Pups aufzuregen als wäre die Apokalypse angebrochen erscheint mir doch als reichlich übertrieben... ;)
Wie gesagt, besser als Du hätte ich es ja auch nicht ausdrücken können. ;)
Herzlichen Glückwunsch!
AntwortenLöschenIch selber, habe mich schon einige male dabei erwischt, wie mich irgendein gehirnloser Kommentar wütend gemacht hat, aber in letzter Zeit ist mir immer öfter klar geworden, dass einen nur Dinge verletzten und stören können, wenn man selbst nicht von ihnen überzeugt ist.
Tatsache ist einfach, das es schlimm ist, das dick sein, in der Gesellschaft von vielen immer noch als schlimmste "Chraktereigenschaft" gewertet wird. Und dass viele lieber ihren Arm verlieren als 20KG zunehmen wollen. Aber, und da gebe ich dir völlig recht, sich wie eine Furie aufzuführen, die bei jedem Kommentar unter die Decke geht, hilft dabei niemandem.
Niemand, der in dem Glauben ist, das dicke Menschen faul, asozial (what ever) sind, wird sich das noch mal überlegen, nur weil jemand ihm entgegen schreit, dass er sich respektlos verhält! Wenn ich jemandem wegen seiner Meinung dumm nenne, egal wie sehr sie mir missfällt, bin ich nicht weniger respektlos.
Es ist gut für eine Sache einzustehen und sie wenn es drauf an kommt, auch zu verteidigen, aber deswegen muss man ja nicht bei hedem Witz, Kommentar oder bei jeder Bemerkung die gar nicht so gemeint ist, explodieren.
Ja, das Internet ist eine Spielwiese für unreife Wutzwerge. Deine Argumentation leuchtet mir ein. Dennoch muß ich sagen, daß ich es vorziehe, solche Zeitgenossen einfach zu ignorieren. Meine Lebenszeit ist zu kostbar, um sie mit solchen Characteren zu verschwenden. :D
AntwortenLöschenLetzten Endes ist es ja so wie Du sagst: Man kann nur sich selber ändern. Selten die anderen.
@Llynnya: Siehst du das meine ich, ich weiß nämlich gar nicht ob das so viele sind, oder ob man das nur meint, weil diejenigen so laut sind. ;) Natürlich macht da auch jeder andere Erfahrungen.
AntwortenLöschenIch weiß auch nicht ob die, die meckern jetzt unbedingt alle völlig unzufrieden sind mit sich, oder ob es so ist, dass sie auf Teufel komm raus nicht so wirken wollen, als wären sie irgendwie unsicher und angreifbar. Was natürlich totaler Blödsinn ist, denn *jeder* hat Tage, an denen er sich nicht mag und unsicher ist. Das zu leugnen wäre doch ziemlich blöd. ;)
@Katrin: Da kann ich dir eigentlich nur zustimmen. ^^ Wobei ich es schon verstehen kann, wenn man sich auf Grund eines dummen Kommentars aufregt. (Ich bin da selber so eine Kandidatin die sich schnell mal ärgert....) Es kommt nur auch immer darauf an wie man etwas sagt und wie man etwas auffasst, manche scheinen anderen da immer gleich böse Absicht zu unterstellen. Das gilt natürlich für beide Parteien.
@Frau Kischvogel: Das stimmt leider, es ist sogar eine sehr große Spielwiese mit vielen Wutzwerg-Picknicks darauf und auf einmal steht man mittendrin, wenn man nicht aufpasst. ;)
Mh, vielleicht ist es auch eine Art Selbsttherapie. Schließlich kann es ja auch befreiend sein, den Frust über die Ungerechtigkeiten, die einem als etwas dickerem Menschen wiederfahren, einfach mal an einer Person im Internet abzulassen.
AntwortenLöschenMir sind solche rumschimpfenden Leute auch nicht sympathisch, aber ich kann ihre Wut auch irgendwie verstehen. Wir sind alle täglich von so viel Intoleranz umgeben, dass manchmal nur ein unüberlegter Satz reicht, um das alles hochkochen zu lassen. Trotzdem: Wenn man Toleranz und Verständnis erwartet, sollte man diese nicht mit unüberlegtem Wutgebrüll einfordern. Kostet schließlich nur Nerven und bringt nichts.
Ach diese ganzen Laberforen gehen einem doch eh auf den Keks. (Serdars/Hatenights Folge über facebook spricht mir da sehr aus der Schattenseele)
AntwortenLöschenUnd allgemein, egal ob dick oder dünn, sind doch die wenigstens glücklich mit sich. Ist man perfekt hat man halt Orangenhaut, Falten oder Besenreiser. Unsere Welt ist krank!
Eigentlich gehts ja auch gar nicht um dick, dünn, la und blubb.....es gibt immer was zum Aufregen und immer was zu bemängeln.
hatten da letztens eine pädagogische Diskussion auf Arbeit bei der ich wieder mal beägt wurde wie wenn ich vom mars kommen würde:
Meine Theorie: Nicht Konfliktlösung den Kinder beizubringen sondern ignorieren lernen....man gibt viel zuviel auf das was andere verzapfen!