Wie der Titel es bereits andeutet, bin ich sauer. Sehr. So liest sich dann auch dieser Text. Die meisten Links dienen als Grundlage und ich empfehle ihre Lektüre nur sehr bedingt. Teilweise sehr eklige Dickenfeindlichkeit. [CW] Im vorletzten Absatz, Erwähnung von Mobbing und Suizid.
Es ist ja so, als dicke Frau, die sich weigert sich verschämt ganz unten in die Hierarchie von Körpern und Schönheit einzuordnen, die kein Interesse daran hat ihr Gewicht zu reduzieren, die sich nicht verstecken will, da passe ich einigen Leuten nicht in den Kram. Was fällt der Dicken ein? Hat sie das Memo nicht gekriegt? Doch hat sie. Jeden verdammten Tag immer wieder aufs Neue. Die Welt dreht sich quasi darum, dass dicke Menschen weniger werden sollen. Über sie können Witze gemacht werden, sie können beleidigt werden, in Schubladen gesteckt, ihr Gesundheitszustand ist öffentliche Debatte.
Dick ist doch schließlich krank, nicht wahr? Wissen wir doch alle. Sagen uns doch die Medien, die Werbung, die Forschung. Diabetesrisiko so und so viel erhöht. Mensch und die Knochen... Das kann doch nicht gut sein. Müssen wir ja alle zahlen. Scheiß fette Leute. Und dann sehen die auch noch so gar nicht perfekt aus. Tu ich zwar auch nicht, aber hey, immerhin quäle ich mich jeden Tag dafür, geht doch nicht, dass die sich einfach ohne das gut fühlen, gleich mal runter machen. Und jetzt denken die sich auch noch Fat Acceptance aus, nee das geht nun wirklich nicht. Gleich mal ausführlich aufdröseln warum das Unsinn ist. Dicke sind natürlich krank. Nicht alle. Aber generell schon. Doch sicher die meisten. Ja. ... Aber hey, ich hab doch gesagt, es sind nicht alle krank. Da ganz klein, seht ihr? Aber trotzdem ist es einfach un-ge-sund. Punkt. Das ist nun mal so. Alles andere ist nur die falsche Logik von faulen Fetten, die reden sich was ein. ICH weiß es besser. Ich hab abgenommen. Ich mach seit 2 Wochen Diät und alle sagen wie toll ich aussehe, also hab ich recht. Die können ja nur Studien verdrehen und dann erzählen sie noch die wären alle von der Diätindustrie finanziert, die machen sich doch was vor. Gleich mal einen Blogpost verfassen. ICH fühle mich ja schließlich unwohl, also breite ich das gaaaanz ausführlich aus, mit Formulierungen, die euch zeigen, wie eklig Übergewicht ist, bäh. Wenn ihr mich dann kritisiert, dann beklage ich mich fürchterlich, weil ihr mir ja vorschreiben wollt, was ich mit meinem Körper zu machen habe. Nicht umgekehrt. Neehee, ich darf euch sagen wie ungesund ihr seid und dass Fat Acceptance unnützer Mist ist, ich schreibe euch ja damit nichts vor, ich sage ja nur wie es ist.
Whoa, da ging es glatt mit mir durch. Ganz ernsthaft. Mein Problem mit der aktuellen "Debatte" ist ein ganz einfaches: Menschen, die sich selbst nicht mögen und abnehmen wollen, Menschen, die keine Ahnung haben und Menschen, die sich mehr oder weniger trauen zu sagen, dass sie ein Problem mit dicken Menschen haben, schreiben über Fat Acceptance. Das wäre ja an sich in Ordnung, wenn dabei eine sachliche Analyse von Aspekten der FA heraus käme. Was tatsächlich dabei herum kommt, sind reproduzierte Dickenfeindlichkeit, Stereotype, Vorurteile und viele eklige Menschen die begeistert Beifall klatschen, weil es den Fetten, die sich weigern klein bei zu geben, endlich mal wer zeigt. Wo doch die Medien eh schon alle auf Seiten der Dicken sind und nebenbei wird behauptet Fat Acceptance würde dünne Körper abwerten. Das ist keine Diskussion, das ist keine Analyse, das sind widergekäute Vorurteile und Dickenhass. Ja HASS. Dicke Menschen sehen sich täglich Hass ausgesetzt, wer so tut als stimme das nicht, will lieber nicht so genau hin schauen.
Mir wurde heute vorgeworfen, ich würde nur schwarz-weiß sehen und ja, in einem Punkt sehe ich nur schwarz-weiß. Wer meinen Aktivismus klein redet, wer meint er wäre nur Selbstbetrug, der hat von mir kein Vetständnis zu erwarten. Diplomatie hört da auf, wo ich meine Grundrechte und die aller anderen dicken und fetten Menschen nicht mehr verteidigen soll. Fat Acceptance ist keine fancy Modeerscheinung, sie ist wichtig, sie ist für mich sogar überlebenswichtig. Ja, das klingt dramatisch, aber ich wurde aufgrund meiner Figur schon sehr gemobbt, ich hatte praktisch keine Jugend deswegen, weil ich die meiste Zeit damit verbrachte Angst zu haben vor der nächsten Attacke. Weil ich bis kurz vor den Suizid gebracht wurde, von Menschen, die meinten dass ich das alles verdiene, weil ich dick war. JA, ich habe ein Problem damit, wenn Menschen Fat Acceptance ablehnen, weil sie damit nicht bei mir sind. Sie sind nicht auf meiner Seite. Klingt albern mit den Seiten? Nun, ich hab die Linie nicht gezogen, ich verteidige mich nur, meine nackte Existenz, die von allen Seiten angezweifelt wird. Fat Acceptance ist meine Rüstung und mein Schwert um mich zu wehren. Meint ihr euer Fat Shaming wäre gesund? Meint ihr, wenn ihr euren Ekel ausdrückt ist das gesund? Das verletzt Menschen, das schadet ihrer Psyche. Aber eigentlich sind euch die dicken Menschen auch egal, nicht wahr? Wenn sie vernünftig wären, würden sie ja schließlich ordentlich Diät halten und abnehmen und euch zustimmen. But let me tell you something:
Es geht euch nichts an, ob Dicke gesund sind, oder nicht, genauso wie es euch bei allen anderen nichts angeht. Ihr habt nicht das Recht, Menschen zu bevormunden, weil sie ein angeblich ungesundes Leben führen, während ihr selbst so tut, als wäre euch verboten worden Gewicht zu verlieren, wenn ihr das wollt. Das ist nicht wofür Fat Acceptance steht. Aber auch das ist euch ehrlich gesagt auch völlig egal, nicht wahr? Hauptsache drauf dreschen und Kritik völlig verdrehen und jammern, dass sich die "ollen hysterischen Kühe" wieder aufregen, nur weil ihr eine andere Meinung habt. Wenn eine "Meinung" diskriminiert oder Diskriminierung reproduziert ist sie eben keine einfache Meinung mehr sondern - Überraschung - Diskriminierung.
Klopft euch auf die Schultern wie ihr wollt, zieht die Fat Acceptance ins Lächerliche, macht sie schlecht, verbreitet euren Hass - wir gehen trotzdem nicht weg. If you're not with us, you can kiss my fat ass.
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Freitag, 22. Mai 2015
Dienstag, 26. März 2013
Reclaim your body
Dieser Post ist in den letzten Wochen langsam gewachsen, ich habe viel daran geschrieben, viel wieder gelöscht und ich hoffe, dass ich halbwegs ausdrücken kann, was mir auf dem Herzen liegt.
Die Sache ist die, dass ich eigentlich nie wirkliche Probleme damit hatte, wie mein Körper ausgesehen hat. Als dünnes, hübsches Kind mit langen Locken schon mal gar nicht (wie oft ich gehört habe, ich würde wie eine Puppe aussehen...) und als ich dann ab der dritten Klasse pummeliger wurde, hat mich selbst das eigentlich nie gestört. So war eben mein Körper und das war auch vollkommen in Ordnung so. Doch so ab der sechsten Klasse war dann irgendwie alles anders. Die Schonzeit der Kindheit war vorbei und so blieb auch ich nicht davon verschont auf Grund meines Körper beurteilt zu werden. Traurigerweise muss ich mich wohl glücklich schätzen, dass das nicht schon vorher passiert ist. Auf jeden Fall war es von da ab irgendwie unheimlich wichtig, wie ich aussehe. Wieviel ich wiege. Welche Kleidung ich trage. Gut, ich war immer etwas schüchtern und "socially awkward", was mir den Umgang mit anderen Kindern/Jugendlichen immer etwas schwer gemacht hat, aber Fakt ist, dass sehr oft mein Körper thematisiert wurde.
Das ist heute nicht anders, nicht nur, aber vor allem als Frau sieht man sich ständig Schönheitsidealen ausgesetzt. Vorallem von Medien und Werbung wird auf uns eingedroschen. Zu dick, zu dünn, zu groß, keine perfekte Haut, zu wenig Make-up, zu viel Make-up, krumme Nase, zu viele Schönheits-OPs. Man kann nicht mal ansatzweise versuchen all diesen Idealen zu folgen, weil sie sich derart widersprechen und ständig ändern. Nicht nur, dass die Sichtweise was erstrebenswert ist und was nicht völlig subjektiv ist, sollte man zudem nicht vergessen, dass ganz ganz viele dieser Dinge von der Industrie gesteuert werden. Natürlich haben sie ein Interesse daran, dass die Menschen dünn sein wollen und versuchen möglichst schön zu sein - sie verdienen daran. Sie verdienen sich sogar dumm und dämlich daran! Das Perfide ist, dass sie es geschafft haben uns so einzuwickeln, dass wir auch noch "Hurra" schreien, wenn wieder eine neue Diät, Trendsportart, Wundermittel etc. am Horizont auftaucht.
Wenn ich mich in meiner eigenen Filterbubble (Twitter und Blogs) so umschaue, schwimme ich auf einer Welle von Akzeptanz und Verständnis. Fat Acceptance, Body Positivity, feministische Blogs - da ist sicher auch nicht alles perfekt und es gibt jede Menge Diskussionsbedarf, aber es hat mir in den letzten Monaten extrem den Rücken gestärkt und mein Weltbild erweitert.
Umso krasser und erschreckender ist es allerdings, wenn ich dann außerhalb dieser sicheren Gefilde auf Fatshaming, Bevormundung und Diskriminierung stoße. Besonders traurig finde ich es, wenn diese aus den vermeintlich eigenen Reihen kommt. Natürlich hat jeder das Recht auf seine eigene Meinung und kann mit seinem Körper machen, was er will, aber wenn dabei impliziert oder ausgedrückt wird, dass nur dies der einzig richtige Weg ist, finde ich das fatal.
Für mich bedeutet Plus Size Bloggerin zu sein, nicht nur Mode zu präsentieren und nett in die Kamera zu lächeln. Ich möchte mich hier auch nicht rechtfertigen müssen, wieso ich dick bin oder relativieren und erzählen, dass ich mich ja eigentlich total gesund ernähre und viel Sport treibe (was ich nicht immer bzw gar nicht tue). Ich finde das einschränkend und unnötig. Die politische/gesellschaftliche Komponente, ist mir mindestens genauso wichtig, wie der reine Modeaspekt.* Als dicker Mensch selbstbewusst zu sagen "Ich bin wie ich bin und muss mich nicht rechtfertigen" ist eine größere Sache, als es zunächst scheint, viele fühlen sich allein dadurch schon provoziert und meinen sie müssten das niedermachen.
Eigentlich ist es doch ganz "einfach":
Niemand hat sich dafür zu entschuldigen oder zu rechtfertigen was er ist und wie er aussieht. Niemand hat das Recht daran Kritik zu üben und anderen seine Meinung aufzuzwingen. Niemand muss gesellschaftliche Normen erfüllen, wenn es um den eigenen Körper und den Lebenswandel geht. Die vorherrschende Meinung ist nicht immer richtig, es lohnt sich alles zu hinterfragen.
Es ist euer Körper und ihr allein entscheidet was ihr damit tut, egal wie unverständlich/dumm/ungesund/unvernünftig etc. eure Entscheidungen von anderen emfpunden werden.
Für mich sind das mittlerweile grundlegende Dinge, auch wenn ich mich nicht immer genug daran halte und teilweise vorschnell urteile, aber wichtig ist doch, dass man sich dessen bewusst ist und daran arbeitet. Seid nett und respektvoll zueinander, das ist mein etwas naives Schlusswort.
*Wobei ich tatsächlich viel zu wenig dazu in meinem Blog schreibe, weil ich finde andere können das immer viel besser, fundierter und eloquenter ausdrücken. :/
Die Sache ist die, dass ich eigentlich nie wirkliche Probleme damit hatte, wie mein Körper ausgesehen hat. Als dünnes, hübsches Kind mit langen Locken schon mal gar nicht (wie oft ich gehört habe, ich würde wie eine Puppe aussehen...) und als ich dann ab der dritten Klasse pummeliger wurde, hat mich selbst das eigentlich nie gestört. So war eben mein Körper und das war auch vollkommen in Ordnung so. Doch so ab der sechsten Klasse war dann irgendwie alles anders. Die Schonzeit der Kindheit war vorbei und so blieb auch ich nicht davon verschont auf Grund meines Körper beurteilt zu werden. Traurigerweise muss ich mich wohl glücklich schätzen, dass das nicht schon vorher passiert ist. Auf jeden Fall war es von da ab irgendwie unheimlich wichtig, wie ich aussehe. Wieviel ich wiege. Welche Kleidung ich trage. Gut, ich war immer etwas schüchtern und "socially awkward", was mir den Umgang mit anderen Kindern/Jugendlichen immer etwas schwer gemacht hat, aber Fakt ist, dass sehr oft mein Körper thematisiert wurde.
Das ist heute nicht anders, nicht nur, aber vor allem als Frau sieht man sich ständig Schönheitsidealen ausgesetzt. Vorallem von Medien und Werbung wird auf uns eingedroschen. Zu dick, zu dünn, zu groß, keine perfekte Haut, zu wenig Make-up, zu viel Make-up, krumme Nase, zu viele Schönheits-OPs. Man kann nicht mal ansatzweise versuchen all diesen Idealen zu folgen, weil sie sich derart widersprechen und ständig ändern. Nicht nur, dass die Sichtweise was erstrebenswert ist und was nicht völlig subjektiv ist, sollte man zudem nicht vergessen, dass ganz ganz viele dieser Dinge von der Industrie gesteuert werden. Natürlich haben sie ein Interesse daran, dass die Menschen dünn sein wollen und versuchen möglichst schön zu sein - sie verdienen daran. Sie verdienen sich sogar dumm und dämlich daran! Das Perfide ist, dass sie es geschafft haben uns so einzuwickeln, dass wir auch noch "Hurra" schreien, wenn wieder eine neue Diät, Trendsportart, Wundermittel etc. am Horizont auftaucht.
Wenn ich mich in meiner eigenen Filterbubble (Twitter und Blogs) so umschaue, schwimme ich auf einer Welle von Akzeptanz und Verständnis. Fat Acceptance, Body Positivity, feministische Blogs - da ist sicher auch nicht alles perfekt und es gibt jede Menge Diskussionsbedarf, aber es hat mir in den letzten Monaten extrem den Rücken gestärkt und mein Weltbild erweitert.
Umso krasser und erschreckender ist es allerdings, wenn ich dann außerhalb dieser sicheren Gefilde auf Fatshaming, Bevormundung und Diskriminierung stoße. Besonders traurig finde ich es, wenn diese aus den vermeintlich eigenen Reihen kommt. Natürlich hat jeder das Recht auf seine eigene Meinung und kann mit seinem Körper machen, was er will, aber wenn dabei impliziert oder ausgedrückt wird, dass nur dies der einzig richtige Weg ist, finde ich das fatal.
Für mich bedeutet Plus Size Bloggerin zu sein, nicht nur Mode zu präsentieren und nett in die Kamera zu lächeln. Ich möchte mich hier auch nicht rechtfertigen müssen, wieso ich dick bin oder relativieren und erzählen, dass ich mich ja eigentlich total gesund ernähre und viel Sport treibe (was ich nicht immer bzw gar nicht tue). Ich finde das einschränkend und unnötig. Die politische/gesellschaftliche Komponente, ist mir mindestens genauso wichtig, wie der reine Modeaspekt.* Als dicker Mensch selbstbewusst zu sagen "Ich bin wie ich bin und muss mich nicht rechtfertigen" ist eine größere Sache, als es zunächst scheint, viele fühlen sich allein dadurch schon provoziert und meinen sie müssten das niedermachen.
Eigentlich ist es doch ganz "einfach":
Niemand hat sich dafür zu entschuldigen oder zu rechtfertigen was er ist und wie er aussieht. Niemand hat das Recht daran Kritik zu üben und anderen seine Meinung aufzuzwingen. Niemand muss gesellschaftliche Normen erfüllen, wenn es um den eigenen Körper und den Lebenswandel geht. Die vorherrschende Meinung ist nicht immer richtig, es lohnt sich alles zu hinterfragen.
Es ist euer Körper und ihr allein entscheidet was ihr damit tut, egal wie unverständlich/dumm/ungesund/unvernünftig etc. eure Entscheidungen von anderen emfpunden werden.
Für mich sind das mittlerweile grundlegende Dinge, auch wenn ich mich nicht immer genug daran halte und teilweise vorschnell urteile, aber wichtig ist doch, dass man sich dessen bewusst ist und daran arbeitet. Seid nett und respektvoll zueinander, das ist mein etwas naives Schlusswort.
*Wobei ich tatsächlich viel zu wenig dazu in meinem Blog schreibe, weil ich finde andere können das immer viel besser, fundierter und eloquenter ausdrücken. :/
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